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Groß gescheitert: Die Flucht der Angela Davis

Angela Davis gehört zu den populärsten Köpfen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 1970er Jahre. Die sich zum Kommunismus bekennende und mit der Black Panther Party zeitweilig sympathisierende Universitätsangestellte lernt schon früh, dass der American Dream vor allem ein weißer Traum ist. Nachdem mit ihrer Schusswaffe ein Gerichtssaal gestürmt wird, geht sie in den Untergrund, um der Verhaftung zu entgehen – erfolglos. Der Prozess findet weltweit ein unglaubliches Medienecho, und 1972 wird Davis freigesprochen.

Damit hat Davis zwar gewonnen, aber die rassistischen Strukturen, die sie dorthin geführt haben, bleiben noch jahrzehntelang bestehen, wie eine Collage von Szenen zeigt, die bis zur Black-Lives-Matter-Bewegung reicht. Schon seit den 70ern ist die intelligente und charismatische Davis wieder und wieder in Film und Literatur porträtiert worden, mit Begeisterung und auch mit Kritik.

Fabien Grolleaus sprunghafte Comicbiografie kann all dem nichts hinzufügen. Die Fokussierung auf das Motiv der Flucht, jene wenigen Wochen im Jahr 1970, rückt die schillernde Persönlichkeit fast in den Hintergrund, stellt aber das rassistische System nur sehr oberflächlich zur Schau. In dem beigefügten „Interview“, das Grolleau mit seinem Glénat-Redakteur führt, nennt er als Hauptquellen Davis‘ Autobiografie und zwei Filme. Das Ergebnis ist allzu glatt, gefällig und gesellschaftlich, psychologisch sowie biografisch wenig erhellend. Wer sich für das Thema interessiert, ist mit der „March“-Trilogie (John Lewis, Nate Powell) besser bedient.

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