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Dave McKean: Raptor

Der britische Künstler Dave McKean gehört zu den prominentesten comic artists der 1990er Jahre. Daran nehmen seine Kollaborationen mit Neil Gaiman an „Violent Cases“ und „Black Orchid“ sowie seine Cover für die legendäre „Sandman“-Serie einen besonderen Anteil, aber auch seine eigene Serie „Cages“, für die er als Autor und Zeichner zugleich verantwortlich war, hat zu seinem Ruhm erheblich beigetragen. Die wilden Collagen, in ihrem Anspruch an die Comics von Bill Sienkiewicz erinnernd, haben einen ungemein hohen Wiedererkennungswert. Seit der Jahrtausendwende wurde es ruhig um den künstlerischen Tausendsassa, der seine Kreativität auch in anderen Medien wie Film und Musik walten lässt. Mit „Raptor“ liegt nun seit langer, langer Zeit wieder ein Werk des Ausnahmekünstlers vor. Es geht um zwei Menschen in zwei grundverschiedenen Welten: Arthur ist ein nervenschwacher Autor und Spiritist etwa um die Jahrhundertwende um 1900. Er trauert seiner kürzlich verstorbenen Frau nach. Sokol hingegen ist ein maskierter Mann in einer technologiefreuen und mittelalterlich anmutenden Welt. Immer wieder schafft McKean Schnittstellen zwischen diesen beiden Welten, ohne dass diese einen nachvollziehbaren logischen Bezug zueinander erhalten würden.

Indem er die Geschichte mit einem Dante-Zitat beginnen lässt, gibt McKean einen Fingerzweig, wo er seine Graphic Novel sprachlich und konzeptuell ansiedelt. „Raptor“ ist nicht nur, wie man es von McKean erwarten muss, ein unglaublicher Blickfang, weil er durch den virtuosen Einsatz verschiedener Techniken für viel visuelle Abwechslung und wunderschöne Bildsequenzen sorgt, sondern auch sprachlich wie erzählerisch sehr ambitioniert. Neue Figuren werden völlig unvermittelt eingeführt, die poetischen Dialoge erschließen sich nicht demjenigen, der sie hastig zu lesen versucht. Der anspruchsvolle Comic ist Schnelleser*innen nicht zu empfehlen, aber eine große Freude für Fans von sperrigen Erzählungen, die einen nach der ersten und zweiten Lektüre noch ratlos zurücklassen. Dieser Text erschien in der Deadline.

Bibliographische Daten

Raptor – A Sokal Graphic Novel
Dave McKean
Cross Cult, 2022
144 Seiten, 30 Euro

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