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Dune – Das Prequel zu dem Science-Fiction-Klassiker

„Dune“ ist eine Legende: Die eingefleischten Fans werden sich nicht davon überzeugen lassen, dass der Roman des amerikanischen Science-Fiction-Autors Frank Herbert bloße Genre-Massenware und die Leinwandadaption von 1984 zwar mit Jürgen Prochnow, Sting und Patrick Stewart prominent besetzt war, sich letztlich aber auch Regisseur David Lynch nicht zufrieden mit dem Ergebnis zeigte. Auch wenn die Meinungen weit auseinandergehen – der Film und seine Romanvorlage von 1965 genießen weitgehend Kultstatus, und so wundert es nicht, dass das Dune-Universum auch nach dem Tod seines Erfinders 1986 immer weiter gewachsen ist.

Frank Herberts Sohn Brian hat gemeinsam mit Kevin J. Anderson diverse weitere Dune-Romane verfasst, und seit diesem September ist eine Neuverfilmung des Originals unter der Regie von Denis Villeneuve in den Kinos zu sehen. Die Comic-Serie „Dune – Haus Atreides“ kommt also zum genau richtigen Zeitpunkt. Sie ist auf drei Bände angelegt und orientiert sich an der Romantrilogie „Prelude to Dune“, die Brian Herbert und Kevin J. Anderson von 1999 bis 2001 veröffentlichten. Dieser Band umfasst die ersten vier von insgesamt zwölf Heften, die zuerst bei BOOM! erschienen sind.

„Dune“ ist die Geschichte des Herrschergeschlechts Atreides, deren Dynastie der Herrschaft der Harkonnen auf dem wasserarmen Planeten Arrakis nachfolgt. Der Herzog Leto, dessen Konkubine Jessica und deren gemeinsamer Sohn Paul entdecken nach und nach den gefahrvollen Wüstenplaneten und müssen sich nicht vor den widrigen Umweltbedingungen, sondern auch vor den Sandwürmern und den Intrigen der Harkonnen in Acht nehmen. Denn Arrakis, der den wertvollen Rohstoff „Spice“ birgt, ist äußerst gefragt. Soweit in groben Zügen das Original.

Bei „Haus Atreides 1“ handelt es sich nun um das Prequel zu dieser Story, und es schildert die Ereignisse 35 Jahre vor dem Einsetzen der Roman- und Filmhandlung. Während auf dem Planeten Kaitan der Imperator Elood IX. einen Planetologen beauftragt, das Geheimnis des Spice auf Arrakis zu ergründen, schmiedet dessen machtbewusster Sohn ein Giftmordkomplott gegen seinen Vater. Auf Caladan, dem Heimatplaneten der Atreiden, begegnen wir dem jugendlichen Leto, den sein Vater als Bildungsreise auf den Maschinenplaneten Ix sendet, um sich auf sein künftiges Amt als Herzog vorzubereiten: „Lerne von Ix. Lerne von allem.“ Auf Arrakis begegnet der Planetologe Pardot Kynes dem geheimnisvollen Volk der Femen, während Leto im Untergrund von Ix eine folgenreiche Entdeckung macht.

Das dreibändige Roman-Prequel im Umfang von mehr als 2000 Buchseiten auf etwa 300 Comicseiten zu reduzieren, ist eine große Herausforderung an das Worldbuilding, zumal gerade in der detailfreudigen Ausgestaltung der gesellschaftlichen, politischen, landschaftlichen und philosophischen Beschaffenheit dieser Welt der Reiz von „Dune“ besteht. Die groben Zeichnungen von Dev Pramanik lassen, ganz im Gegensatz zu dem jugendstiligen Cover von Jae Lee und June Chung, oft wenig Interesse am Detail erkennen, und der Versuch, die vielen Schauplätze und Figuren in der gerafften Handlung unterzubringen, erschwert leider das lustvolle Eintauchen in die Geschichte. Kultbücher und –filme stehen immer vor der Herausforderung, zugleich den Ansprüchen der eingefleischten Fans zu genügen und den Erwartungen von neuen Leserinnen und Lesern zu genügen. Wie so oft ist das ein schwieriger Spagat.

Während man auf den zweiten Band wartet, um zu sehen, ob die Comic-Serie sich zum Guten entwickeln wird, sollte man vielleicht mit der Lektüre der drei Romane beginnen. Oder dem Original von Frank Herbert, das in Wirklichkeit gar keine Massenware, sondern richtig klasse ist. Wie auch der Film von 1984. Der Beitrag erschien zuerst in Multimania #85.

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