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Die Ballade von Halo Jones 1 (Panini 2020)

Für die folgende Dialogrezension von Die Ballade von Halo Jones waren die Anfangsvoraussetzungen für Christian Muschweck und mich sehr unterschiedlich: Hochglanz & Farbe trifft auf SW und Holzpapier.

Während ich das kürzlich bei Panini erschienene Hardcoveralbum in Hochglanz und Farbe vorliegen hatte, musste Christian mit einem Heft der Reihe The Best of 2000 AD Monthly von 1989 vorlieb nehmen, das das komplette erste Buch der dreiteiligen Saga in schwarzweiß und auf rauem, sehr holzhaltigen Papier präsentiert. 70 Pence hatte diese Heft damals gekostet, deutlich weniger als ein Pint im Pub. Gegenüber dem 2000-AD-Heft von 1984, in dem Halo Jones zum alleresten Mal erschien, war aber auch das schon ganz schön hochpreisig. Ein 2000-AD-Heft kostete 1984 gerade einmal 22 Pence.

Gerrit: Der Neid ist ganz auf meiner Seite, nicht nur weil ich Schwarzweiß oft ästhetischer finde, sondern auch weil Originale natürlich mehr Aura besitzen als spätere Reproduktionen. Auch die direkte Nachbarschaft zu Strontium Dog von John Wagner und Carlos Ezquerra und Rogue Trooper von Gerry Finley-Day und Dave Gibbons ist bestimmt reizvoll. Mir sind die 2000-AD-Sachen nur durch die späteren Ultimate Collections bekannt.

Aber nun zu „Die Ballade von Halo Jones“ von Alan Moore (Text), Ian Gibson (Zeichnungen) und Barbara Nosenzo (Farben). Die fernzukünftige Welt des 50. Jahrhunderts bietet ein Leben mit nur geringen Aufstiegschancen. Halo Jones, Rodice, Brinna und Ludy leben in einer künstlichen ringförmigen Anlage vor der amerikanischen Küste. Ziel ist es, dieser heruntergekommenen Teilgesellschaft irgendwie zu entkommen, was nur möglich scheint, indem man zum Musik-Star aufsteigt. Die Welt ist grundschlecht, inklusive des Fernsehangebots.

Als Halo und Rodice mit Toby, ihrem künstlichen Hund, zum Lebensmitteleinkauf aufbrechen, geht das Abenteuer los, zum Leidwesen Halo Jones‘: „Bitte keine Einkaufsexpedition. Bitte nicht! Bitte … lass mir einen Algensatelliten auf den Kopf knallen, bitte …“ Bei ihrer Rückkehr ist alles noch schlimmer als zuvor: Brinna wurde ermordet, und Ludy hat ihr musikalisches Talent gegen Stumpfsinn eingetauscht. Nichts hält sie mehr in ihrem Zuhause, und Halo Jones ergreift die Gelegenheit, mit dem berühmten Raumschiff E.S.S. Clara Pandy, den Ring zu verlassen.

Der erste der drei Bände macht es seinen Leser*innen nicht einfach: Nicht nur dass im Zentrum der 52 Seiten die Zeitplanung der Einkaufstour steht, die zukünftige Welt bleibt zunächst sehr verschlossen. Moore und Gibson beginnen medias in res: „Algenbaron Leux Roth Chiop: Tut er’s oder tut er’s nicht? Ist Intervention seine Intention? Wir schalten nach Pseudo-Portugal zu Jazz-Firpo im Chop Tower.“ Da kann man schon anfangen, mitzuschreiben, um nicht den Anschluss zu verlieren. Bitte weiterlesen auf Comicgate.de.

Bibliografische Daten

Die Ballade von Halo Jones 1
Panini, 2020
Text: Alan Moore
Zeichnungen: Ian Gibson
Übersetzung: Bernd Kronsbein
72 Seiten, Farbe, Softcover
Preis: 20,00 Euro
ISBN: 9783741620690

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