Mondreisen im 18. Jahrhundert

HP_Mondreisen_Lembke Als Neil Armstrong am 21. Juli 1969 seinen Fuß auf die Oberfläche unseres Trabanten setzte und seinen »small step« einen »giant leap for mankind« nannte, war ihm vielleicht seine wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung bewusst, wohl kaum aber wird er bedacht haben, wie oft dieser Schritt bereits in Literatur und Film vollzogen worden und sein »giant leap« insofern nur ein ›small step‹ unter vielen gewesen ist. Mag das 20. Jahrhundert als vorläufiger Höhepunkt der Raumfahrthistoriografie gelten, so hatten die translunaren Fiktionen ihren Zenit im 18. Jahrhundert längst erreicht. Der Mond war damals derart präsent, dass Jean Paul die 1770er Jahre spöttisch als »Seleniten-Jahrzehnt« bezeichnete.

 

 

HP_Mondreisen-2_LembkeDiese bislang vernachlässigten ›small steps‹ des 18. Jahrhunderts standen im Fokus dieses Vortrags, der nicht nur das Korpus der literarischen Mondreisen vorstellt, sondern auch am Beispiel von Eberhard Christian Kindermanns Die Geschwinde Reise auf dem Luft-Schiff nach der obern Welt (1744) die relevanten Diskurse benennt und die individuellen narrativen Charakteristika herausstellt. Bei diesem Text handelt sich nämlich nicht nur um astronomische Lehrprosa über die technischen Möglichkeiten interplanetarer Reisen und die Bewohnbarkeit fremder Welten, sondern er ist zugleich auch eine Reflexion über das Potential und die Grenzen der Popularisierung von Wissen.

Christian-Albrechts-Universität Kiel, 15. Mai 2015

731 Total Views 1 Views Today