Weltkriegsprosa (Diss.)

Weltkrieg in Worten: Promotionsprojekt Gerrit Lembke Der Erste Weltkrieg wurde von Luftschlachten, U-Boot-Einsätzen, Tankangriffen, MG-Gefechten und Handgranatenkämpfen geprägt. Zugleich ist der Krieg von Anfang an nicht nur ein ›Krieg der Waffen‹, sondern immer schon ein »Krieg von Worten und mit Worten, ein Krieg um die Macht des Wortes« (Cincinattus 1916) gewesen. Damit sind nicht nur die Worte gemeint, mit denen Kaiser Wilhelm II. die Deutschen in seiner Thronrede am 4. August 1914 mobilisierte: »Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche.« Auch die Propaganda während des Ersten Weltkriegs, mit denen die Regierungen ihre eigene Bevölkerung wie auch die Soldaten der Feinde von den jeweiligen Kriegszielen zu überzeugen versuchten, hat wortreiche ›Schlachten‹ geschlagen. Vor allem aber sind die Worte als Waffen ins Feld der Literatur geführt worden. Bereits während der Kriegsjahre entstanden zahllose Texte, in denen die Verfasser das Erlebnis des Krieges zu bewältigen, zu glorifizieren, zu verurteilen versuchten: Im Medium der Literatur ereigneten sich »Deutungs- und Sinnstiftungskämpfe« (Lars Koch), wie sie vorangegangene Kriege noch nicht gezeitigt hatten. Dazu trugen einige Texte maßgeblich bei, deren Erfolg sie zu ›Klassikern‹ des Genres ›Kriegsbuch‹ gemacht haben. Hierzu zählen etwa Gunther Plüschows Jugendbuch Die Abenteuer des Fliegers von Tsingtau (1916), des Marineoffiziers Nikolaus zu Dohna-Schlodiens Erinnerungen S.M.S. Möwe (1916) und natürlich Walter Flex’ ›Kultbuch‹ Der Wanderer zwischen beiden Welten (1917).

Die Arbeit, die am 26. Januar 2015 als Dissertation an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel eingereicht wurde, zeigt, (1) dass der Weltkrieg als nationalsozialistisches Paradesujet fungiert hat, (2) inwiefern die Texte sich mittels paratextueller Kommunikationsstrategien im ideologischen Diskurs verorten und (3), wie auf der Textebene Modelle von Gesellschaft und Entwicklung realisiert werden. Der Anhang bietet Informationen zu  177 Kriegsprosa-Texten, die zwischen 1933 und 1945 erschienen sind und den Ersten Weltkrieg zum Thema haben. In vielerlei Hinsicht ist damit erst die Grundlage für eine eingehende Beschäftigung mit dem Gegenstand geschaffen.

 

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