Infidel (Splitter 2020)

Reinheit ist der Stoff, aus dem Rassismus gemacht ist. Darum geht es in dem Horrorcomic Infidel von Pornsak Pichetshote und Aaron Campbell.

infidelProtagonist ist ein Mehrfamilien-Miets- und Eckhaus in einer amerikanischen Großstadt. Seitdem vor drei Monaten die selbstgebastelte Bombe eines islamistischen Attentäters dort hochging, blieb dort nur wohnen, wer sich den Umzug nicht leisten konnte oder wem alles schnurzegal ist. Im obersten Stock wohnen Aisha und Tom mit seiner Tochter Kris bei dessen Mutter Leslie, direkt neben der von der Polizei versiegelten Tür des irregeführten Bombenbastlers.

Die Patchworkfamilie leidet unter der Wohnsituation, denn Leslie begegnet der Muslima Aisha ebenso mit Vorbehalten wie allen Menschen mit dunklerer Hautfarbe, denen sie im Alltag begegnet. Anschluss findet Aisha bei der Architekturstudentin Medina, die neu im Haus ist, in Aishas Leben aber eine lange Geschichte hat.

Tom beobachtet den latenten Rassismus seiner Mutter, wohingegen Aisha über die kleinen Gesten noch hinwegsehen kann. Nicht übersehen kann sie aber, was außer ihr niemand zu sehen vermag: grässliche Gesichter und bedrohliche Geister.

Angst ist der Nährstoff der feindlichen Geisterwelt und, by the way, auch derjenige der Fremdenfeindlichkeit. Das „Andere“, das „da draußen“ lauert und uns in Angst und Schrecken versetzt, ist eine beliebte Zutat für Storys, die Fremdenfeindlichkeit entweder transportieren (wie etwa der Horror-Film-Klassiker White Zombie von 1932) oder kommentieren. Infidel gehört zu Letzterem.

Horrorgeschichten lassen sich oft als soziale Kommentare lesen, weil sie gesellschaftliche Ängste in fiktionale Bilder und Handlungsverläufe transformieren. Infidel ist ganz offenkundig eine Erzählung über Rassismus und Vorurteile, und zwar von verschiedenen Seiten. Aisha begegnet rassistischen oder fundamentalistischen Positionen in der eigenen Familie, insbesondere bei ihrer orthodoxen Mutter, aber auch in Toms Familie wie in der Nachbarschaft. Einen Ursprung dessen zu finden, ist ebenso schwierig wie die Ursache für die Geister zu ergründen. Ob das Leid die Geister heraufbeschwört oder die Geister das Leid … Wer, mag man mit Freud fragen, ist eigentlich Herr in diesem Haus?

Zur vollständigen Rezension auf Comicgate.de.

Bibliografische Daten

Infidel
Splitter, 2020
Text: Pornsak Pichetshote
Zeichnungen: Aaron Campbell
Übersetzung: Katrin Aust
168 Seiten, Farbe, Hardcover
Preis: 24,00 Euro
ISBN: 978-3962194932

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