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Klassenkampf und Paragone – Deadly Class

„Deadly Class“ leuchtet die dunklen Winkel widerstreitender Jugendkulturen aus – in einer Zeit, als es noch kein Cybermobbing oder coronabedingtes Homeschooling gab. Rick Remenders und Wes Craigs erfolgreiche Comic-Serie „Deadly Class“ ist derzeit auf Netflix zu sehen und präsentiert schulisches 80er-Jahre-Grauen jenseits von Schulhofhänseleien und Völkerball-Psychoterror.

Schulen sind ein beliebter Schauplatz für Comics, sei es bei den „X-Men“ oder in der „Umbrella Academy“. Kein Wunder: Das jugendliche Publikum kennt das Schulhofsetting aus der tagtäglichen Leidensbiografie, während erwachsene Leser*rinnen ihr Schultrauma noch einmal lektürebegleitend durchexerzieren können. Und irgendwie passt es in unsere ausbildungsfreudige Zeit, dass selbst schulfremde Freizeitaktivitäten wie Zaubern („Harry Potter“) oder Töten („Deadly Class“) in einer ordentlichen Bildungseinrichtung gelernt werden müssen.

Klassenkampf und Selbstfindung

Der Klassenraum ist auch ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche mit sehr unterschiedlichen Biografien nebeneinandergesetzt werden. Bestes Trainingsgelände also, um sich abzugrenzen und die eigene Individualität zu entdecken, entweder in sehr eigenwilligen Superkräften oder – etwas konventioneller – durch Musik und Weltanschauung.

Kings Dominion ist ein inmitten von San Francisco verborgenes Internat, eine schummrige Parallelwelt in den Augen der unbescholtenen Bürger der Stadt und eine Zuflucht für die Zöglinge der kriminellen Halbwelt. Hier werden Kinder zu Attentätern ausgebildet, mit dem ursprünglichen Ziel, den Machtlosen eine Stimme zu ermöglichen, wie Master Lin, der Schuldirektor, das Profil der Bildungseinrichtung erläutert. Ein eigenwilliger Stundenplan: Attentäter-Psychologie – Enthauptungen – Gift – Zweikampf – Tödliche Künste. Nix Montessori.

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Der obdachlose Marcus Arguello wird in die Assassinenschule aufgenommen, vor allem aufgrund seiner besonderen Biografie: Nach dem Unfalltod seiner Eltern ist er in einem grausamen Waisenhaus groß geworden. Rigide Regeln bestimmen den freudlosen Alltag, gewaltverliebte Aufseher quälen die Heranwachsenden, eine schlimme Direktorin und ein perverser Zimmermitbewohner machen Marcus das Leben vollends zur Hölle. Da helfen auch die schmucksamen Christuskreuze an der Wand nicht viel. Er entkommt dem Waisenhaus, das kurz darauf in Flammen aufgeht, und alle Kinder sterben.

Der vollständige Text ist in der Comixene #138 erschienen (Frühjahr 2021).

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