Surreale Halbtraumlandschaften – „Bezimena“

bezimena„Bezimena“ schildert den Lebensweg von Benedikt (Benny), dessen Kindheit von äußerlichem Wohlstand und innerer Unrast geprägt ist. Er gerät durch seine öffentliche Onanie-Obsession zum Schandfleck seiner angesehenen Familie: Sogar in der Schule, in Gesellschaft seiner Mitschüler*innen und unter einem Christus-Kreuz sitzend, onaniert er, während er seine Klassenfreundin Becky anstarrt. Wer sich zuerst von wem abwendet – die Gesellschaft von ihm oder er von der Gesellschaft – bleibt offen. Fazit: Er wird ein Einzelgänger, Schulabbrecher, Zoohausmeister. Letzteres könnte ein Lichtblick in einer belasteten Biografie sein, entwickelt sich aber zum Ausgangspunkt einer echten Tragödie.

Seine Leidenschaften lebt er im Stillen aus, bis er die inzwischen erwachsene Becky bei einem Zoobesuch beobachtet und von ihr völlig fasziniert ist. Sie lässt ein Skizzenbuch am Eisbärengehege zurück, in dem Benny erotische Zeichnungen von sich und Becky entdeckt. Sie zeigen, und spätestens nun beginnt der Comic seinen herrlichen, paradox erscheinenden Sog zu entwickeln, im Detail, was erst noch geschehen wird, nämlich die erotische Annäherung Bennys an drei Frauen, eine davon ist die Zeichnerin Becky. Benny interpretiert die Skizzen als Einladung, als Aufforderung, die Fiktion in die Realität zu überführen, aber es wird einen Twist am Ende geben, der den Leser einigermaßen erschüttern wird. Er ist ebenso überzeugend wie überraschend und daher so gelungen. Bitte weiterlesen auf Comic.de.

Bibliografische Daten

Nina Bunjevac (Autorin und Zeichnerin): „Bezimena“.
Avant-Verlag, Berlin 2020. 224 Seiten. 30 Euro

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