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Batman – The World

Batman ist so globalisiert wie Pizza, Korruption oder das Internet, und in „Batman – The World“ gehört diese Internationalität zum eigenwilligen Konzept: 14 Künstler*innen-Teams aus verschiedenen Ländern rund um die Welt haben die Fledermaus in ihre jeweilige Heimat geschickt, und so reist Batman in dieser Kurzgeschichtensammlung von den USA über Deutschland und die Türkei nach Südamerika und Asien – nur für Afrika und Australien hat Bruce Wayne keine Tickets gebucht.

Künstlerisch wie erzählerisch unterscheiden sich die kurzen Beiträge erheblich. Der französische Beitrag von Mathieu Gabella und Thierry Martin inszeniert einen Dreikampf zwischen Batman, Wonder Woman und Catwoman im Louvre, bei dem es letzterer nur darum geht, das Lasso der Superheldin zu ergattern, um Batman eine Frage zu stellen, die wir als Leser*innen nur erahnen können. „Ja, bis zum Tod“, ist seine Antwort. Der spanische Autor und Zeichner Paco Roca lässt Bruce Wayne in gleichförmiger Seitenarchitektur die Eintönigkeit eines Mittelmeer-Strandurlaubs erleben: am Buffet, im Hotelbett, in Badehose, ohne Badehose – bis er das Laissez-faire nicht mehr aushält und sein heroisches Kostüm wieder über den all-inclusive-gedunsenen Körper streift. Führen die meisten Beiträge uns Leser*innen durch die Hauptstädte der Länder, haben sich Benjamin von Eckartsberg und Thomas von Kummant („Gung-Ho“) für einen anderen Weg entschieden. Der deutsche Comic spielt weit abseits von Berlin, Hamburg oder München in den Bayerischen Alpen, wo der Joker zwei Umweltaktivisten zu überzeugen versucht, einen korrupten Klimasünder hinzurichten. Ganz dicht am Fridays-for-Future-Diskurs.

Die 10-seitigen Geschichten präsentieren sehr unterschiedliche Fledermausmänner oft abseits klassischer Action: meist unterhaltsam und grafisch wie erzählerisch abwechslungsreich – dieser Batman-Comic ist eine großzügig belegte Pizza.

Der Beitrag erschien zuerst in der Deadline #190.

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