Rainald Grebes Lieder

Titelblatt der Mauerschau 2010 (Rainald Grebe)

Titelblatt „Mauerschau“ (Rainald Grebe)

Rainald Grebe (*1971) ist Schauspieler, Dramaturg und Kabarettist. Seine Popularität als Kabarettist (Bayrischer Kabarettpreis 2009) rückt ihn im öffentlichen Bewusstsein in die Nähe anderer Kabarettisten wie Bodo Wartke (*1977) und Gerhard Polt (*1942). Dagegen legen die komplexen und um gesellschaftliche Relevanz bemühten Lieder nahe, Grebe in einer Traditionslinie mit Bertolt Brecht (1898-1956), Wolf Biermann (*1936) oder Franz-Josef Degenhardt (*1931) zu sehen, wobei in seinen Liedern eine wesentliche, ironische Distanz zu deren sozialistischem Impetus vorherrscht: »Wir meinten alles ironisch: auch die Ironie.« (Die 90er) Das hier anklingende Konzept der ›Ironie der Ironie‹ oder der ›Romantischen Ironie‹ (Friedrich Schlegel) durchzieht insbesondere das Album 1968, in dessen Liedern die »Zweideutigkeit sich nicht mehr in Eindeutigkeit überführen und auflösen lassen soll« (Peter Oesterreich).

Inzwischen sind sechs Alben sowie ein Roman von Rainald Grebe erschienen: Das Abschiedskonzert (2004), Rainald Grebe & Die Kapelle der Versöhnung (2005), Volksmusik (2007), Das Robinson Crusoe Konzert (2007), 1968 (2008) und Das Hongkongkonzert (2009). Besondere Resonanz haben seine Bundesländerhymnen erfahren, in denen er den Osten Deutschlands als trostlosen Ort des Niedergangs besingt. Die Abwanderungsbewegungen nach Westdeutschland oder die Metropole Berlin schlagen sich in Brandenburg nieder: »In Berlin bin ich einer von drei Millionen. / In Brandenburg kann ich bald alleine wohnen«. Thüringen dagegen erweist sich als moderne terra incognita, auf dessen unbebautem Grund Gerüchte und Vorurteile gedeihen: »Im Thüringer Wald, da essen sie noch Hunde / nach altem Rezept zur winterkalten Stunde.« Sachsen (2009) ist vor allem Opfer globalen Klimawandels: Es ist nicht jenes idyllische »Land, wo die Zitronen blühen«(Goethe: Mignon), sondern »das Land, wo die Datteln wachsen«. Es sind die unterprivilegierten Räume des wirtschaftlichen Niedergangs, denen Rainald Grebe hier Aufmerksamkeit schenkt. Neben diesen melancholischen Landeshymnen besteht das Werk des Liedermachers auch aus Liedern ganz anderer Art, die sich bisweilen mit ›Zeit und Raum‹ auseinandersetzen. Derer zwei sollen hier untersucht werden: Zeitmaschine und Guido Knopp.

Hier den kompletten Aufsatz über Rainald Grebe lesen!

Bibliografische Angabe:
Gerrit Lembke: Poetik der Einebnung: Zur Amalgamierung von Raum und Zeit in den Liedern Rainald Grebes. Zeitmaschine (2008) und Guido Knopp (2005). In: Mauerschau (2010.1), S. 35-47. Online.

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